Freie Trauungen – ein Zwischenruf

Warum bei Hochzeitsrednern / Hochzeitsrednerinnen die Begeisterung alleine bei weitem nicht ausreicht!

„Ich bin total begeistert von meinem Job als Hochzeitsrednerin!“

„Und nach der Trauung bin ich so voller Hochgefühle und habe den allerschönsten Beruf auf der ganzen Welt!“

„Weil ich von meiner eigenen Hochzeit so begeistert gewesen bin, bin ich nun Hochzeitsrednerin mit ganzem Herz und so voller Leidenschaft“.

Häufig lese ich solche und ähnliche Sätze in Berichten und Selbstbeschreibungen von Hochzeitsrednern und Hochzeitsrednerinnen.

Es sind Versuche, die Frage zu beantworten, wie man denn Hochzeitsredner/in geworden ist. Man „liebt“ Freie Trauungen. Man ist „begeistert“ für Hochzeiten. Man ist „fasziniert“ von den Emotionen. Und kein Hinweis auf irgendwelche Qualifikationen. Erfundene Feedbacks sichern ab, dass „Begeisterung für Freie Trauungen“ ausreichen, ja mehr noch…

Doch reicht die Begeisterung aus?
Ist sie sogar das Geheimrezept für „gute freie Trauungen“?
Reicht Leidenschaft aus, um eine unvergesslich schöne freie Trauung zu gestalten?

Nein und nochmals nein, denn Begeisterung und Leidenschaft mag Antriebsfeder sein, aber dies alleine qualifiziert niemanden – für rein Garnichts. Außer wenn es vielleicht darum geht, als Zuschauer eine Mannschaft anzufeuern. Oder wenn es darum geht zu applaudieren. Doch welcher Künstler, Darsteller, Schauspieler oder Redner applaudiert sich selber?

Auch Zitate wie „In Dir muss brennen, wenn Du ein Feuer entfachen willst“, helfen nicht wirklich weiter, um Kompetenz zu verdeutlichen. Aus dem Sinnzusammenhang gerissen dienen diese Aussagen dazu, eher die eigene Inkompetenz zu übertünchen.

Denn einer, der das Lied „All of me“ toll findet, aber keine Noten kennt und „taktlos ist“ und schief singt, wird deswegen noch lange keinen Plattenvertrag erhalten.
Einer, der des Schreibens kundig ist, aber die Wörter in einem Satz nicht einmal mit einem Kompass in die richtige Reihenfolge bringt, wird deshalb bestimmt nicht gleich den Preis des Deutschen Buchhandels erhalten.
Und nur weil jemand bei einer Aufführung als Laiendarsteller einmal in die Bresche gesprungen ist, wird er nicht sofort für den Oskar nominiert.
Aber so oft vermitteln Selbstdarstellungen jedoch genau diesen Eindruck.

Zusätzlich wird gegen kirchliche Trauungen und Pastoren oder Pfarrer geschimpft und diese als „schlechtes Beispiel“ hingestellt oder als „schwarze Folie“ missbraucht. Ja, kirchliche Trauungen können langweilig und unpersönlich sein. Aber dann die Freie Trauung als die optimale Lösung zu präsentieren, greift zu kurz. Und als Grund dafür schiebt mancher hinterher: „weil ich so voller Begeisterung und Leidenschaft meinen Job mache, sind meine freien Trauungen viel persönlicher!“ Sorry, den Pastoren und Pfarrern Begeisterung und Leidenschaft abzusprechen, verkennt nicht nur den Unterschied zwischen einer gottesdienstlichen Trauung und einer sogenannten Freien Trauung.

Doch die Freie Trauung ist die Lösung für alle Probleme. Denn mit Begeisterung und Leidenschaft schafft man doch alles, oder?

Und mit vielen Worten werden von selbst ernannten Hochzeitsrednerinnen und Hochzeitsrednern Erwartungen geweckt, die diese dann wie ungedeckte Schecks nicht einlösen können. Bis heute gibt es keinen qualifizierten Berufsstand für Hochzeitsredner. Eine IHK – Prüfung als Hochzeitsplanerin besagt über die Fertigkeiten und Fähigkeiten als Rednerin wenig aus. Qualitätsstandards gibt es nicht. Manche brüsten sich mit „Zertifikaten“ oder „Abschlüssen“ und kommen schnell an die Grenzen ihres Wissens und Könnens. Um sich dann hilfesuchend in verschiedenen Facebookgruppen zu tummeln. Nach einem kurzen Austausch in solch einer Gruppe geht es dann wieder zurück zu den Brautpaaren. Scheinbar kompetent und voller Begeisterung und mit ganz viel Leidenschaft natürlich, machen sie weiter.

Doch Begeisterung allein trägt nicht durch, wenn es darum geht, eine Trauung zu gestalten. Diesen einen außergewöhnlichen und besonderen Tag mit einem einmaligen Ereignis zu gestalten, ist in vielerlei Hinsicht eine große Herausforderung.

Denn die (Freie) Trauung bildet für viele den emotionalen Höhepunkt der ganzen Hochzeit. Sich dies bewusst zu sein und damit umgehen zu können, ist eine der Grundkompetenzen einer Redner/Rednerin. Sich seiner Rolle bewusst zu sein und diese auszufüllen stellt Anforderungen an die Persönlichkeit des Redners. Dem ist nicht jeder gewachsen, trotz aller Begeisterung.

Begeisterung und Leidenschaft können helfen. Doch wichtiger sind andere und weitere Faktoren, wie Kompetenz, Erfahrung und vielfältige gestalterische Fähigkeiten.

Neben Gesprächsfertigkeiten geht es um das Gespür, wie Paare interagieren oder wie Beziehungen gelebt werden. Bestimmte Ideen, Worte, Rituale und Bräuche wirken im jeweiligen Kontext anders. Die Souveränität mit kleinen oder größeren Katastrophen umgehen zu können, kann man ebenso erwarten, wie Grundkenntnisse über Konfessionen, Weltanschauungen und kulturelle Besonderheiten. Hilfreich ist es zu wissen, welche dramaturgischen Bausteine für eine Trauung, eine Zeremonie erforderlich sind, wie man diese geschickt platziert und einsetzt. Und was macht eine „Zeremonie“ denn eigentlich aus und unterscheidet diese von einer bloßen Feier?
Und wer ständig versucht witzig zu sein, merkt vielleicht gar nicht wie albern er wirkt und man sich als Gast seiner nur „fremdschämen“ kann und sich wünscht: Bitte hör doch endlich auf!
Und andere sind vor lauter Aufregung so stocksteif, dass ein Spazierstock mehr Beweglichkeit mitbringt als diese Rednerin. Und bei dem Versuch, die Trauung persönlich zu gestalten, wird kein Fettnapf ausgelassen. Nicht nur die Gäste bekommen einen roten Kopf, was aber nicht an der Hitze liegt.

Auch wenn sich das alles leider sehr pauschal anhört, ist dies die Erfahrung und Rückmeldung vieler Gespräche mit Paaren, Dienstleistern und Gästen bei freien Trauungen. Auch möchte ich hier niemanden persönlich angreifen, denn „Gott sei Dank!“ gibt es eine Reihe hervorragender, kompetenter und verantwortungsvoller Kollegen und Kolleginnen.

Doch Begeisterung alleine trägt nicht durch, auch nicht bei denen, die sich für begabt halten – und es doch leider zu oft überhaupt nicht sind. Und noch schlimmer – es nicht einmal wissen.

Wer genauer hinschaut, wird entdecken (müssen), wie mancher nicht einmal die einfachsten Grundkenntnisse der Redekunst und der Rhetorik beherrscht. Vor Leuten zu sprechen, braucht Übung und hilfreiches Feedback. 7 Tipps aus dem Internet abgekuppelt und ein paar rhetorische Kniffe machen niemanden zum Redner. Manchmal steckt hinter einer kleinen und kurzen Ansprache jahrelange, harte Arbeit. Denn gute Vorbereitung und umfassende Fertigkeiten tragen dazu bei, dass man nicht die Todsünde schlechter Redner/Rednerinnen begeht: Die Zuhörer zu LANGWEILEN!

Zusätzlich ist mehr gefragt als Stimmbildung, Rollenverständnis, Sprachkompetenz, Atemtechnik und inhaltliche Ausgestaltung einer Ansprache. Hoch wertiges Equipment garantiert keine gute Rede während einer freien Trauung. Die Qualität der Ansprache ändert sich nicht. Nur die Fehler werden dann wirklich von jedem Gast gehört.
Wie viele Fotografien zeigen Redner mit überdimensionalen Konzepten im DIN A3 Querformat. Übersichtlich sind solche Konzepte für Redner, aber mehr als nur unhandlich und sie stehen wie eine Mauer zwischen Redner und Zuhörer.
Wie häufig habe ich gehört: „Unsere Rednerin hat viel zu lange geredet und sich zig mal wiederholt. Ihre Bandwurmsätze hatten einen Anfang, aber leider kein Ende. Es war so langweilig und ihre quietschende Stimme konnte ich nicht länger ertragen.“
Die kurzfristigen Absagen, weil Begeisterung eben nach Frusterlebnissen nicht durchträgt, mal ganz draußen vorgelassen.
Auch ist es oftmals so, dass reflektiertes Feedback durch qualifizierte Personen und Supervision für die allermeisten Sprecher/innen völlig „out of order“ sind.

Es ist mühsam aber auch aller Mühe wert, immer neu zu erklären, dass es Grundlagen gibt, was eine Rede auszeichnet und welche innere Dramaturgie für das Gelingen von Trauungen wichtig und kostbar ist. Worauf man achten sollte und muss.

Wer mit der eigenen Leidenschaft und Begeisterung versucht, potentielle Kunden zu gewinnen, rechnet mit dem „Wolke 7 Glücksgefühl“ vieler Brautpaare und handelt unverantwortlich. Die bittere Enttäuschung des Brautpaares, das ausschließlich auf Ihr Bauchgefühl und das sympathische Lächeln des Redners / der Rednerin reingefallen ist, tut mir immer wieder leid. Denn wenn dann die Rede, bzw. die freie Trauung so fürchterlich misslungen ist, kann dieses leider nicht aufgefangen werden. Für eine einmalige Premiere gibt es keine Wiederholung. Außerdem fehlt ja den meisten eine Vergleichsmöglichkeit. So machen manche „Gute Miene zum bösen Spiel“ und beklagen sich nicht. Wer möchte schon von sich sagen: „Meine Freie Trauung war echt schei….“.
Selten habe ich es in den 30 Jahren meiner Tätigkeit als (Hochzeits)Redner erlebt, dass ein Brautpaar sagte: Naja, die erste Trauung war nur ein Versuch, also schlichtweg Mist. Heiraten wir nun ein zweites Mal mit einem Redner/einer Rednerin, der/die weiß, wie es geht!

Also: Bitte achtet auf mehr Qualität bei freien Trauungen, insbesondere bei den Rednern/Rednerinnen!

An die Brautpaare:

Überzeugt Euch davon, ob der Redner/in sein/ihr Handwerk erlernt hat und versteht, was Er/Sie da tut!
Spart nicht am falschen Ende, denn Qualität hat ihren Preis. Und damit meine ich mehr als nur „Euros“. Denn wenn die Qualität fehlt, geht das auf Eure Kosten. Ihr wollt an diesem Tag Eure Hochzeit feiern und wünscht Euch eine rundherum schöne und auch in der Erinnerung positiv nachwirkende (Freie) Trauung.
(einige Feedback findet ihr hier!)
Die Trauung wird Euch und Euren Gästen sicherlich länger in Erinnerung bleiben und Euch auf Eurem Weg begleiten, als die Frage, wie die Hochzeitstorte geschmeckt hat.

An die Hochzeitsredner / Hochzeitsrednerinnen:

Bildet Euch fort! Reflektiert Eure Trauungen! Nehmt Supervision in Anspruch! Bitte stellt keine „ungedeckten Schecks“ aus, verliert bei aller Begeisterung und Leidenschaft nicht die Bodenhaftung. Sprecht lieber realistisch von dem, was Ihr könnt oder nicht könnt. Und feiert jede „gelungene Trauung“ fröhlich und ausgiebig – denn es ist wunderschön! Aber bedenkt, es geht doch um Menschen und nicht um „nen Job“ oder „Beruf“!

Bildet Euch weiter und fort! Weitet den Blick. Gute Fortbildungen gibt es mittlerweile einige. Nicht nur bei mir! (www.hochzeitsredner-geisler.de)  Denn was zählt, ist weniger die eigene Begeisterung als die nachhaltige Begeisterung der Brautpaare und möglichst vieler Gäste, weil die Trauung wunderschön, persönlich, bewegend und so wertvoll gewesen ist wie ein Stück Himmel auf Erden und es um mehr geht, als um schöne Worte.

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